top of page

Mein Endgegner. Meditation braucht kein Sitzkissen.

  • Autorenbild: Alina
    Alina
  • 4. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Mai




Meine liebe Freundin bezeichnete einmal eine Magen Darm Infektion als ihren Endgegner. Wie passend! Es gibt nichts, was mich mehr auf mich zurückwirft als dieser Virus. Nach zwei Tagen und wilden Nächten hat mein Sohn wieder genug Energie, um auf mir rumzuturnen während der gemeine Virus erst anfängt in mir zu wüten. Er springt auf meinen Bauch als wolle er sich jetzt von aussen an ihm rächen und die nächste Welle Übelkeit rollt durch mein System. Mein System versagt - den Kampf gegen die Berge nach Erbrochenem riechender Bettwäsche habe ich längst verloren. Ich habe zwei soziale Events verpasst, allen Klient:innen abgesagt und nicht zuletzt das langersehnte Date mit meinem Mann gecancelt. Es wäre das erste seit Monaten gewesen! Aber wer gibt schon ein krankes Kind an die befreundete Familie? Es bräuchte wohl einen Beipackzettel "bitte nicht füttern und streicheln, wir revanchieren uns dann vielleicht wenns euch so richtig schlecht geht, Dreckwäsche bitte entsorgen. Danke für euer Verständnis!"

Dann kommt der Moment der Resignation und ich darf mich meinem Endgegner hingeben. (Papa geht mit Kind einkaufen, toi toi toi!)

Im Garten in der Hängematte (nun macht der Name wirklich Sinn) falle ich in einen tiefen Fieberschlaf. Ich erwache, schaue in den Apfelbaum und nehme ihn das erste Mal in seiner ganzen Gestalt und zugleich allen Details wahr. Er hat alle seine Blütenblätter abgeworfen und strahlt in einer ruhigen Selbstverständlichkeit "Hier bin ich, krumm, alt und doch ziemlich vital, ich werfe ab, was ich nicht mehr brauche und bin einfach hier".

Mir wird klar, dass mein Körper Geist System gerade ähnliches vollbringt. Nur wenige Tage zuvor landete ich mit einer allergischen Reaktion auf ein Stück Apfel! im Spital. Und während mein Körper im Virusgeschehen nun alles Überflüssige unsanft aus sich herausbefördert, wird er begleitet durch das Einsetzen der weiblichen Zyklusreinigung! Fantastisch! Ich liebe Synchronizität und kann wieder nur staunen über die natürliche und allumgebende Weisheit. Ich liege (seit zwei Jahren!) das erste Mal in unserem Garten, einfach so. Dem Wind in der Baumkrone lauschend, die tausend Knospen bewundernd und nicht einmal im Ansatz mit der Idee Arbeiten in Haus und Garten zu erledigen oder den (vermeintlichen) Erwartungen der Hausgemeinschaft zu entsprechen. Ich bin so leer, dass sich der letzte kleinste Nahrungspartikel im Körper spüren lässt. Mein Bauchumfang entspricht plötzlich nahezu meinem Wunschbild - ohne Ziel, ohne Druck enttarnt und nicht mehr im Dienst der emotionalen Dämpfung. Und darunter Leichtigkeit, Durchlässigkeit - im Kontakt mit mir selbst.

Geschehen lassen, schlicht sein und ohne den Anspruch etwas zu optimieren und leisten zu müssen - nicht einmal die Erwartung es müsste mir irgendwie besser gehen.

Echte Gegenwärtigkeit bedeutet mit dem zu sein was ist, all die feinen Gleichklänge zu bemerken und gleichzeitig den schmerzhaften, zehrenden Seiten Raum geben dürfen.

Unser Date ist ausgefallen und wir haben improvisiert - griechisch auf der eigenen Terrasse, ohne Abholzeit, direkt und bedürfnisorientiert. Kleine unzählige Handlungen der gegenseitigen Unterstützung, der Liebe und des Verständnisses, angepasst auf das, was jetzt gerade möglich ist und in der Haltung von Tag zu Tag wieder neu zu entscheiden und Erwartungen fallen zu lassen. Und so begegnet dir der Endgegner als Freiheitsangebot und Einladung dich dem Moment hinzugeben.

Wo begegnest du deinem Endgegner? Was darf gerade abgestossen und gereinigt werden? Radikal, abgrenzend oder weich und im natürlichen Zyklus?


Möchtest du deine alltagsnahe Meditationsform gestalten, entdecke meine Angebote für deine persönliche Praxisbegleitung.


 
 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page